Good Practice: Jugendjodelchor Nordwestschweiz

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Auf einen Blick

  • Name: Jugendjodelchor Nordwestschweiz 
  • Was: Projektorientierter Jugendchor
  • Mitglieder: gut 30 Jugendliche und junge Erwachsene (16–25 Jahre)
  • Ort: Proberaum in Olten,  Auftritte in der ganzen Nordwestschweiz 
  • Art: Verbandsprojekt des Nordwestschweizerischen Jodlerverbands 
  • Stärken: Niederschwelliger Zugang, flexible Projektstrukturen ohne feste Ämter, professioneller SocialMedia-Auftritt, starke Gemeinschaft

Der Jugendjodelchor Nordwestschweiz ist ein projektbasiertes Format des Nordwestschweizerischen Jodlerverbands (NWSJV). Das Angebot richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren und ermöglicht es ihnen, das Jodeln und gemeinsame Singen ohne Vorkenntnisse auszuprobieren.

Geprobt wird einmal im Monat in Olten. Ziel des Chors ist es, das traditionelle Jodeln in einer Form anzubieten, die der Lebensrealität von Jugendlichen entspricht. Damit schliesst das Projekt eine entscheidende Lücke zwischen bestehenden Kinderjodelchören und den klassischen Erwachsenenklubs. Zu den Höhepunkten des Chorlebens gehören die Auftritte an grossen Anlässen wie dem Eidgenössischen Jodlerfest in Basel oder dem Jugendjodelfest in Grindelwald. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich Tradition und moderne Strukturen erfolgreich verbinden lassen, um einen zeitgemässen Zugang zur Jodelwelt zu schaffen.

Das Porträt

  • Das Besondere
    Der Jugendjodelchor schliesst eine entscheidende Lücke zwischen Kinderchören und Erwachsenenklubs, in denen junge Stimmen oft komplett fehlen. Das Konzept bricht mit klassischen Vereinsstrukturen: Gesungen wird ausschliesslich auf Projektbasis (z. B. von Januar bis Juni). Die Jugendlichen melden sich jeweils nur für eine bestimmte Periode an; danach ist das Projekt vorbei und man kann sich neu anmelden oder pausieren. Geprobt wird nur einmal im Monat an einem Wochenende. Es gibt keine langfristigen Verpflichtungen, keine Ämtli und keine Helfereinsätze. Inhaltlich setzt der Chor auf intensive, teilweise sogar individuelle Stimmbildung. 

    Das Repertoire wird sorgfältig ausgewählt: Im Fokus stehen traditionelle Lieder, deren Themen wie Natur und Landschaft auch heute noch faszinieren und einen Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen schaffen. Auf veraltete Rollenbilder oder sexistische Texte wird konsequent verzichtet. Findet sich in der bestehenden Literatur kein passendes Stück, werden auch gezielt Kompositionsaufträge für neue Lieder in Auftrag gegeben.
  • Herausforderungen
    Die grössten Hürden zeigen sich oft im Alltag ausserhalb des Probelokals: Junge Jodler:innen haben regelmässig mit gesellschaftlichen Vorurteilen zu kämpfen und müssen sich in ihrem Umfeld oft für ihr Hobby rechtfertigen. Das führt im Alltag zu Diskussionen, bei denen die Musik selbst völlig in den Hintergrund rückt.

    Eine weitere Herausforderung betrifft die Verbindlichkeit. Obwohl alle Probe- und Auftrittstermine lange im Voraus bekannt sind, kommen kurzfristige Absagen immer wieder vor.  Dies kann für alle Beteiligten mühsam und demotivierend wirken.

    Die Leitung eines solchen Projekts ist intensiv und bringt eine grosse organisatorische wie auch mentale Belastung mit sich. Besonders in der Anfangsphase war der administrative Aufwand sehr gross. Da es sich um ein Freizeitangebot handelt, wird zudem eine hohe Erreichbarkeit erwartet. Die Aufgaben sind sehr vielseitig: Neben der gesamten Organisation und der Kommunikation mit allen Beteiligten muss auch die musikalische Seite – wie das Planen und Auswählen des passenden Programms – bewältigt werden.

  • Arbeitsweise
    Die Organisation basiert auf einer klaren und transparenten Planung: Alle Probe- und Auftrittsdaten stehen bereits auf dem Ausschreibungsflyer fest. Trotz der lockeren Projektstruktur gelingt es, Aufgaben erfolgreich zu verteilen. Über eine einfache WhatsApp-Liste tragen sich die Jugendlichen freiwillig für konkrete Jobs ein – sei es für die Reiseplanung, das Reservieren von Unterkünften oder die Pausenverpflegung. Das stärkt die Eigenverantwortung und die Motivation im Chor.

    Beim visuellen Auftritt nach aussen wird strikt auf ein modernes und professionelles Design geachtet. Die Betreuung der Social-Media-Kanäle ist komplett an ein jüngeres Chormitglied ausgelagert. Dadurch wird sichergestellt, dass der Auftritt authentisch bleibt und die Zielgruppe direkt auf Augenhöhe angesprochen wird.

     

  • Erfolg und Resonanz
    Das Konzept zeigt Wirkung: Der Chor hat sich zu einem wichtigen Impulsgeber für die gesamte Jodelszene entwickelt und baut bei jungen Menschen Berührungsängste ab. Inzwischen hat sich ein fester Kern gebildet, bei dem das Gemeinschaftsgefühl eine zentrale Rolle spielt. Seine Qualität präsentiert das Ensemble regelmässig an grossen Anlässen.

    Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die musikalische Weiterentwicklung: Der Chor setzt gezielt auf Stimmbildung und lädt immer wieder externe Coaches für Workshops ein. Dieser Blick aus verschiedenen musikalischen Perspektiven bereichert die Probenarbeit spürbar.

    Zudem verfügt das Projekt über ein aktives Netzwerk. Neben gemeinsamen Wanderungen und Auftritten mit anderen Jugendchören führt der Austausch auch zu den älteren Generationen: Etablierte Erwachsenenchöre laden das junge Ensemble regelmässig ein, bei ihren Konzerten mitzuwirken.

Inspiration für deinen Verein:

  • In Projekten denken: Zeitlich begrenzte Gefässe anbieten. Ein überschaubares Projekt mit einem klaren Ziel zieht Menschen an, die sich nicht langfristig an einen Verein binden wollen.
  • Aufgaben statt Ämter verteilen: Das klassische Vorstandsdenken aufbrechen. Jugendliche übernehmen ungern starre Ämter, engagieren sich aber motiviert für klar umrissene Mini-Projekte.
  • Visuelle Professionalität wahren: Der erste Eindruck entscheidet. Flyer, Webseiten und Social-Media-Kanäle müssen modern und professionell aussehen, um für junge Menschen attraktiv zu sein. 
  • Social Media in junge Hände geben: Kanäle wie Instagram denjenigen überlassen, welche die Sprache der Zielgruppe kennen. Das entlastet die Leitung und sorgt für authentische Reichweite.
  • Neue Finanzierungsquellen erschliessen: Über Mitgliederbeiträge hinausdenken. Gut aufbereitete Dossiers für Stiftungen und Fonds bieten grosse Chancen für innovative Nachwuchsprojekte.
  • Externe Expertise und neue Blickwinkel holen: Betriebsblindheit vermeiden. Gezielte Inputs von externen Coaches bringen neue Impulse, entlasten die Leitung und bringen das gesamte Ensemble weiter.
2026 Jugendjodelchor NWS

Auf den Punkt gebracht

«Jodeln stösst gerade auch bei der jüngeren Generation auf grosse Begeisterung. Wenn wir traditionelle Inhalte zeitgemäss anpacken und den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen, entfaltet das Brauchtum eine ganz neue Dynamik.»

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